Musher für einen Tag

Das wichtigste Fortbewegungsmittel im Winter abseits der Straßen ist nach dem Snowmobil der Hundeschlitten. Es gibt hier einige Betriebe, die Ausfahrten mit dem Hundeschlitten anbieten. Hier lohnt es sich, genau zu vergleichen und auf Empfehlungen Einheimischer zu hören. Es gibt Anbieter, die auf Massenabfertigung optimiert sind. Dort wird man in einen fertig vorbereiteten Hundeschlitten gepackt und eine Stunde übers Eis kutschiert. Das war nicht unsere Vorstellung. Wir fanden jedoch ein kleines Unternehmen, bei dem man unter Anleitung alles selbst machen darf und das nur Kleingruppen mit maximal 4 Schlitten (8 Personen) führt.

Die Basis von Birk Husky liegt tief im Pasvik Nationalpark am Pasvik Fluss, der auch gleichzeitig Grenzfluss zu Russland ist.

Vorbereitungen

Ein Gespann besteht aus einem stehenden Fahrer, dem Musher, einem sitzenden Mitfahrer und einem Team aus 6 Hunden. Das Hunde-Team wird vom Betreiber zusammengestellt, denn jedes Tier hat andere Eigenschaften und nicht jeder Hund kann mit jedem laufen. Auch hier gibt es gute Teamkollegen und Rivalen.

Die erste Aufgabe für uns war das Einspannen der Hunde. Dazu mussten wir zu deren Hütte, sie von der Leine lösen, ihnen das Geschirr anlegen, sie zum Schlitten bringen und dort einspannen. Klingt einfach, oder? 😉  Die Tiere sind sehr freundlich und verspielt. Bevor man ihnen das Geschirr anlegen kann, wollen sie eine Runde Zuwendung. Dann lassen sie sich den Harnisch anziehen. Die meisten sind dabei sehr kooperativ und halten still. Sie müssen mit den Vorderläufen durch das Geschirr. Sobald man ihre Pfote berührt, heben sie diese an und können eingefädelt werden. Sie kennen die Prozedur genau.

Beim Einspannen in das Schlittengespann sind Reihenfolgen zu beachten, da die Tiere sonst Unfug anstellen und sich in den Leinen verheddern. Das Gespann ist hinten mit einem Seil fixiert und vor dem Leithund mit einem Schneeanker. Erst kurz vor dem Start werden beide Seile gelöst und dann gibt es für die Tiere kein Halten mehr. Die Bremse wird gelöst und die Hunde sprinten los. Der Fahrer muss sehen, dass er sein Gleichgewicht hält und nicht rückwärts vom Schlitten fällt.

Unterwegs

Die Tour ist etwa 20 – 25 km lang und auf der halben Strecke wird eine Teepause eingelegt. Hier besteht die Möglichkeit, dass die Teams ihre Rollen tauschen. Wer zuvor fuhr, kann sich jetzt die Landschaft aus der Hundeperspektive ansehen.

Zwischenstopp

Beim Überqueren von vereisten Flüssen müssen beiderseits steile Ufer mit zum Teil sehr engen Kurven überwunden werden. Dies ist sehr knifflig und in der Gruppe (4 Schlitten) wurde mehr als einmal ein Schlitten mitsamt Besatzung aus der Bahn geworfen und musste eingefangen werden. Dies blieb uns glücklicherweise erspart.

Augen auf

Der Musher muss sehr aufmerksam sein und gelegentlich mithelfen. So muss immer genügend Abstand zum vorausgehenden Gespann gehalten werden. Eine Aufgabe, mit der das Gespann hinter uns seine Schwierigkeiten hatte. Nicht selten hatten wir die halbe Meute unseres Nachfolgers neben uns oder in den Kniekehlen.

Bei abschüssigen Sektionen darf der Schlitten die Hunde nicht einholen. Dafür gibt es zwei Bremsen. Die weiche Bremse, mit der man etwas Fahrt reduzieren kann und die harte Bremse, mit der man das Gespann zum Stillstand bringt. Geht es steiler aufwärts, so muss der Musher anschieben, um den Hunden zu helfen. Auch dabei darf er sich natürlich nicht abwerfen lassen. Das ist schweisstreibend und anstrengend.

Ausblick vom Schlitten

Sobald der Schlitten nach der Tour wieder verankert ist, bekommen die Hunde jeder eine Portion eingefrorenes Fressen. Auch dabei muss man die Rangfolge beachten. Man nimmt jeweils zwei Portionen Futter in die Hand. Zuerst bekommen vorne die Leithunde und zwar immer der zuerst, der es offensichtlich stärker will, dann sofort der andere auch, damit es keinen Streit gibt. Man kann es ihnen zuwerfen, sie sind sehr gute Fänger und schnappen es aus der Luft. Anschließend bekommen die Hunde der zweiten und dritten Reihe ihr Fressen.

Fütterung nach Ankunft

Nach der Fütterung werden die Tiere einzeln wieder zu ihren Hütten gebracht und dort der Harnisch entfernt.
 

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