Krabben an Bord

In den 1960er Jahren wurden pazifische Kamtschatka Krabben, auch Königskrabben genannt, absichtlich bei Murmansk ausgesetzt, von wo sie sich seither langsam und unaufhaltsam nach Süden entlang der Norwegischen Küste ausbreiten. Inzwischen sind sie bis zur Inselgruppe der Lofoten vorgedrungen.

Die Krabbe verdrängt lokale Arten, indem sie sie auffrisst, oder ihnen die Nahrungsgrundlage entzieht. Die Meinungen über dieses Neozoon sind jedoch geteilt. Wissenschaftler schlagen Alarm, während lokale Fischer darin eine lohnende Einnahmequelle sehen. Sie sind einfach zu fangen und der Marktpreis ist hoch. Die Fischer platzieren etwas Fleischabfall in einem Fangkorb und einen Tag später ist er voll mit Krabben. Fische dagegen muss man mühsam mit Langleinen angeln.

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N71° 10′ 21“ – das Nordkapp

-14° C und Sonne

Die Bedingungen sind auch hier phänomenal. Nach viel Neuschnee haben wir heute klare Sicht mit Sonne. Und wenige Menschen, die zur gleichen Zeit hier sind. Berichten zufolge kann das weitaus ungünstiger sein (schlimmstes Wetter kombiniert mit Menschenmassen). Wir bekomnen erzählt, dass es seit Tagen keine Sonne gab, mit schlechter Fernsicht. 

Wir können uns draußen gar nicht sattsehen. Und das ein oder andere Foto gibts ebenfalls, auch wenn einem dabei fast die Finger abfrieren, besonders an den windexponierten Stellen. Mit etwas Geduld bekommen wir das gesamte Nordkapp-Plateau mit Weltkugel-Denkmal komplett menschenleer für uns und genießen es. 

Globus-Denkmal auf dem Nordkapp-Plateau

Im Konvoi zum Nordkapp

Tag 5 – von Hammerfest zum Nordkapp

In den frühen Morgenstunden erreichten wir Hammerfest, die nördlichste Stadt Europas. Wir alle waren noch müde von der stundenlangen nächtlichen Nordlicht Beobachtung, sodass wir die Be- und Entladung dort nur mit einem halben Ohr wahrnahmen.

Hauptattraktion des heutigen Tages war der Besuch des Nordkapps. Von dem kleinen Hafen Honningsvåg brachte uns ein Bus hinauf auf das verschneite Nordkapp-Plateau. Die Straße dorthin ist starken Schneeverwehungen ausgesetzt. Selbst gut ausgerüstete Kfz mit Winterreifen oder Spikes bleiben dann im Schnee stecken und müssen geborgen werden. Deshalb dürfen Fahrzeuge in den Wintermonaten nur zu festgelegten Zeiten und in Begleitung eines Räumfahrzeugs die Straße passieren. Wer auf eigene Faust die Schranke öffnet, löst einen Alarm aus und wird kurz danach von der lokalen Feuerwehr und Polizei eskortiert. Der Spaß kostet dann 15.000 NOK, umgerechnet etwa 1.700 €. „Im Konvoi zum Nordkapp“ weiterlesen

Kp 5

Es gibt bei der Vorhersage von Nordlichtern einen Kp-Index von 0-9, der eine Sichtungswahrscheinlichkeit beschreibt. Die Daten stammen aus der Beobachtung der Sonnenaktivität. Daraus wird ein 3-Stunden-Mittel gebildet und auf einer Skala von Null bis Neun eingeordnet. Je weiter man sich vom magnetischen Nordpol entfernt, desto höhere Kp Werte sind notwendig, um dort noch Nordlichter zu sichten. Nördlich des Polarkreises lohnt es sich aber bereits ab einem Kp von 2 nach draußen zu gehen und Ausschau nach der Aurora borealis zu halten. Ein Wert von 3 ist schon ganz gut. Für die Region Tromsø wurde ab 21 Uhr ein Kp von 4 vorhergesagt und ab Mitternacht sogar ein Kp von 5. Das Wetter spielte auch mit, denn der Himmel war an diesem Tag sternenklar.

Schon um 18:45 konnten die ersten Nordlichter gesichtet werden. Dies setzte sich in den folgenden Stunden mit nur kurzen Pausen bis weit nach Mitternacht fort.

An Bord gibt es immer Durchsagen, sobald sich Nordlichter zeigen und führt dazu, daß sich das ganze Boot nach draußen entleert. Dutzende Smartphones blitzten in den Nachthimmel und enttäuschte Gesichter wunderten sich über schwarze Knipsbilder. 🙂

Auch die hellen Displays der digitalen Kameras leuchteten in der Gegend rum und störten den ungetrübten Genuss der Lichter am Himmel.

Zum Glück ist es an Deck kalt…. sehr kalt! Der eisige Wind tut sein übriges. Man muss also nur abwarten, bis sich die Herde wieder ins Warme verkrümelt.

Ein geplanter Vortrag über den berühmten norwegischen Stockfisch und deren Historie, Herstellung und Zubereitung hatte keine Chance (trotz generellem Interesse daran). Da alle nach der Durchsage bezüglich Nordlichtsichtung sofort aufsprangen und binnen Sekunden auf die Außendecks strömten, wurde der Vortrag nach nur einer Minute notgedrungen auf den nächsten Tag verlegt.

Man kann auf einem schwankenden Schiff keine vernünftigen Langzeitbelichtungen in optimaler Qualität aufnehmen. Also hatten wir die nötige Gelassenheit, den Nordlichtern, die sich über Stunden immer wieder verändert haben, einfach nur zuzuschauen und diese zu genießen (trotz eisiger Wetterbedingungen). Aus diesem Grund sind hier keine Nordlichtbilder zu sehen. Wir hoffen, das zu einem späterem Zeitpunkt an einem anderen Ort nachholen zu können.

Die Nordlichter in der Nacht, nach einem perfekten Tag in Tromsø mit schönstem Schnee und Sonnenlicht, fühlten sich an als ob man den ganzen Tag Geburtstags-Geschenke auspacken würde. 😉

Der schönste Arbeitsplatz der Welt

Die MS Lofoten wurde 1964 in Dienst gestellt. Als letztes verbleibendes Hurtigruten Schiff aus dieser Zeit ist sie heute ein Freilichtmuseum. Fast alles ist noch im Originalzustand wie vor über 50 Jahren.

Wir hatten die Möglichkeit eines Besuchs auf der Brücke, bei dem der Kapitän die Instrumente und die technischen Eigenschaften des Schiffes erklärte.

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Das Tor zum Eismeer

Tag 4 – Von den Lofoten nach Tromsø

Der heftige Schneeschauer der letzten Nacht hatte sich gelegt. Bei Anbruch der Morgendämmerung zeigten sich die Berge beiderseits der Fahrrinne mit Schnee bedeckt. Kein gewöhnlicher Anblick, da die gesamte Westküste Norwegens von der Wärme des Golfstroms profitiert. Das Oberdeck war eingeschneit und vereist, somit eine rutschige Angelegenheit. Hier gilt: „Immer eine Hand für das Boot“. „Das Tor zum Eismeer“ weiterlesen

Trollfjord im Flutlicht

Die Inselgruppe der Lofoten wird erst am frühen Abend erreicht. Das bedeutet zu dieser Jahreszeit eine Ankunft in der Dunkelheit. Morgens wird es gegen sieben Uhr hell und Nachmittags um fünf Uhr wieder dunkel. Das ist ein bisschen bedauerlich, da die Durchquerung der Lofoten Inselgruppe spektakuläre Fjorde und Gebirge zu bieten hat. Einer der bekanntesten ist der Trollfjord, der nur etwa 100m breit ist und dessen Felsen bis zu 1000 Meter hoch aufragen.

Spot on !

Damit auch die Winterreisenden einen Eindruck bekommen, hatte sich die Crew ein kleines Extra einfallen lassen. Dank der geringen Abmessungen, kann sich das Schiff vorsichtig in die Mündung des Trollfjords vortasten. Mit den Suchscheinwerfern wurden die Felswände angeleuchtet und tauchten die Wände in ein bizarres Licht. Es gibt Dinge die kann man nur mit den Augen richtig erfassen. Für eine Aufnahme waren die Lichtverhältnisse zu schwach und die Bewegung des Schiffes macht auch eine Langzeitbelichtung unmöglich. „Trollfjord im Flutlicht“ weiterlesen

Begegnung auf See

Täglich begegnen sich Schiffe der Flotte. Das auf Nordkurs fahrende Schiff eröffnet den Gruß mit zwei langen Hornsignalen und einem kurzen. Das Schiff auf Südkurs antwortet mit lang-lang-kurz-lang. Hier begegnen sich MS Lofoten  und MS Norderlys wenige Kilometer nördlich des Polarkreises. Wie man hört ist die Regel dehnbar. 😉

Der Klang des Horns geht durch Mark und Bein. Man spürt es am ganzen Körper, besonders wenn man am Ausguck neben der Brücke steht.

Bei Nacht werden Lichtsignale gegeben, um die Passagiere nicht aus dem Bett zu tröten.

[Update 26.2.2017]

Weil es so schön ist, kommt hier noch eine Begegnung.  MS Lofoten auf Nordkurs begegnet MS Trollfjord am 23. Februar 2017 morgens um halb neun kurz vor Havøysund.

Rohbildmaterial

Ich muss ein paar Worte zum hier bereitgestellten Bildmaterial sagen. Die Bilder wirken sehr dunkel und kontrastarm. Das liegt daran, daß neben der eigentlichen RAW Datei ein kleines JPEG in der Kamera produziert wird. Klein genug für den Upload über die dünne Leitung des Schiffs. Dieses JPEG ist völlig unbearbeitet, außer dem Kamera eigenen Automatikmodus, der aber für hiesige Bedingungen völlig unzureichend ist. Für eine aufwändige Bildbearbeitung ist hier schlicht die Zeit zu schade, denn währenddessen gibt es draußen weitere schöne Dinge zu sehen. 🙂

N66° 33′

Tag 3 – Die Überquerung des Polarkreises

Am Morgen des 21. Februar sollte zwischen 6:30 Uhr und 8:00 Uhr der Polarkreis überquert werden. Am Vorabend waren alle Gäste aufgefordert, eine möglichst genaue Schätzung der Uhrzeit abzugeben. Wer dem tatsächlichen Zeitpunkt am nächsten kommt, erhält eine signierte Reedereiflagge mit Datum und Uhrzeit der Überquerung. Bis 22 Uhr am Vorabend mussten alle Schätzungen abgegeben werden.

Zur Markierung des Polarkreises steht auf der kleinen Insel Vikingen eine Skulptur, die die Linie markiert. Um Punkt 7:18:59 Uhr überquerten wir den Polarkreis. Unsere eigenen Schätzungen waren gar nicht so schlecht (-11 bzw. +3 Minuten), aber der Preis ging an einen Mitreisenden, der bis auf eine Sekunde an den Wert heran kam. Dem glücklichen Gewinner wurde auch die Ehre zuteil, als erster vom Meeresgott Neptun die Polartaufe zu empfangen.

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